Rattenfänger

Wie der Rattenfänger von Hameln gehen die Nationalisten in Spanien vor. Seit Jahrzehnten findet in Katalonien eine Gehirnwäsche statt die eines zelebriert: wir sind anders. Gegipfelt hat diese Sichtweise in ein durch und durch rassistisches Statement vom ehemaligen Vizepräsidenten dieser spanischen Region, Oriol Junqueras. Der heute inhaftierte Befürworter der Abspaltung dieser Region, ein netter Demagoge, hat mit dem Genpool der Katalanen argumentiert, seiner Meinung nach hätten diese mehr mit Franzosen und Schweizer gemein, als mit den Spaniern. Rassenhygiene at it’s best. Inzwischen ist der Spuck vorbei, Junqueras und andere Betreiber einer illegalen Volksbefragung und falsche Vertreter einer erfundenen Mehrheit sind im Gefängnis, der Hauptdemagoge, Carles Puigdemont, hat sich feige in Brüssel versteckt während seine ‘Kampfgenossen’ sich den Folgen der Täuschung stellen. Aufwiegelung, Rebellion und Veruntreuung öffentlicher Gelder lauten die Vorwürfe, den Rattenfängern drohen nun bis zu 30 Jahre Haft.

Heute ist ein schwarzer Tag für Carme Forcadell, die ehemalige Präsidentin des Regionalparlaments hat die Nacht hinter Gittern verbracht. Sie ist das letzte Opfer einer Farce. Eine Farce die seit langem den Geist der Andersartigkeit, der Überlegenheit beschwört. Wie in anderen Ecken Spaniens gibt es ein ungesundes Lokalkolorit, die Überzeugung Nation zu sein. Sei es im Baskenland, in Galizien oder die Kanaren, sie sind alle anders, alle besser. Im Fall Kataloniens sogar genetisch unterschiedlich. Diese Heimatgefühle münden in bisweilen seltsamen Blüten, so setzt sich in Asturien Bable durch, ein Dialekt aus der Region um Mieres, dessen Nutzung auch im fernen Westen (100 km) der Provinz umgesetzt wird, dort wird allerdings galizisch gesprochen. Absurd?

Spanien, Anfang der 50er Jahre. Franco Diktatur. Mein Vater war 14 Jahre alt, Spanien war arm, in Barcelona hatte mein Großvater (ein Franco-Kämpfer) um diese Stadt gekämpft, er war geschockt ob der Hungerszenen und der Brutalität des Krieges. All dies plagte ihn sein Leben fort, aber die Lokalkolorit konnte er – ein großer Freund Marokkos  – nicht abstellen. Sein Sohn, mein Vater, besuchte als 14jähriger eine Kneippe, trank Wein (ja so war es damals als Kind in Spanien) und störte sich an einem Gast. Dieser sprach seltsam, andalusisch. Für Menschen aus Asturien ist Restspanien Maurenland, wiedererobert von ihnen, den Asturiern. Grotesk. Mein Vater wurde nationalistisch, angetrunken pöbelte er den Mann an, es kam zu einer der üblichen Kneippenschlägereien. Blöderweise war der Mann ein Guardia Civil, ein Polizist in zivil. Mein Großvater hatte vor meinen Vater nach Amerika zu schicken, um der Armut zu entkommen. Überhaupt war dies der Grundstein des heutigen europäischen Wohlstands, auch des deutschen, die Abschiebung der Armut. Jene rassistisch bedingte Schlägerei brachte meinen Vater ruck zuck nach Vigo und auf den Dampfer ‘Ennet’ und somit nach Amerika. Die Moral von der Geschicht? Rassismus lohnt sich nicht,  ist in Spanien aber sehr tief verankert.

Katalonien 2017. Anderer Dialekt, selbe zurückgebliebene Mentalität. Die Rattenfänger haben einen guten Job geleistet, sie haben Generationen Mythen verkauft, den Dialekt gepflegt und genetische Anleihen bemüht. Eine unheilige Allianz von Nazis um Puigdemont hat sich mit der CUP (eine angeblich Linke Gruppierung die nationalistische Ideal frönt)  vereint um eine der blühendsten Regionen Europas zu zerstören, eine nationalistische Fahne schwenkend sind sie direkt ins Gefängnis marschiert. Die Folgen werden noch Jahre andauern, der Riss ist enorm, aber auch die Chance zu sehen welche Kräfte Nationalismen lenken. Die Unabhängigkeitserklärung sei ein Symbolakt gewesen erklärte Forcadell vor Gericht, nur um eine Chance auf Freiheit zu wahren. Aus Brüssel beobachtet Rattenfänger Puigdemont das Geschehen und kann doch nicht zurück. Nationalismus im 21. Jahrhundert zu forcieren, ein halsbrecherisches Manöver im modernen Europa.

 

[nicht korrigierte Fassung]