Die Lüge

Der venezolanische Staatspräsident Maduro mag nicht der Inbegriff demokratischer Reinheit sein, aber er ist nunmal der gewählte Regierungschef eines souveränen Staates in Lateinamerika. Vielerorts scheint der Respekt vor dieser Tatsache zu fehlen, ausländische Organisationen wetteifern darum sich in Angelegenheiten einzumischen die eigentlich nur Sache der Venezolaner sind.

Dass das Volk sich für Maduro entschieden hat spielt für viele ausländische Beobachter keine Rolle, denn er gefällt ihnen einfach nicht. Erinnerlich waren es aber just ausländische Wahlbeobachter, die der letzten Präsidentschaftswahl einen ordnungsgemäßen Ablauf bescheinigten und somit Maduro seine Rechtmäßigkeit.

Die venezolanische Opposition macht aus ihrer gegebenen Rolle aber mindestens eine ähnlich peinliche Figur wie der ehemalige Busfahrer als Staatschef, dies wird aber international gerne hingenommen. Einer der vielen Oppositionsführer, Leopoldo López, zog Massen auf die Straße um auf (unangekündigte und nicht angemeldete) Demonstrationen, den gewählten Präsidenten außerhalb der Urnen zu stürzen, man stelle sich dies in Berlin vor! Zigtausende unangemeldet auf der Straße…

Dafür landete er im Gefängnis. Von dort aus betreibt er weiterhin eine Oppositionspolitk der Destabilisierung, seine Ehefrau – Lilian Tintori – sieht sich als eine Art karibischer Jeanne D’Arc und schlägt aus jeder noch so kleinen Nachricht profit. Eifrig tingelt sie durch die Welt, gibt PKs und tut alles dafür, die Situation im Land noch mehr zu destabilisieren.

Maduros Wahl 2013 war knapp und seine Wiederwahl steht wohl mehr als auf der Kippe, es ist aber gerade die seltsam agierende Opposition die den Chavismus eher am Leben hält. Eine Vielzahl von Oppositionellen, darunter Leopoldo López, traten jüngst in den Hungerstreik. Ihre Forderung: Wahlen im Dezember.

Wahlen die ohnehin abgehalten werden würden, nur der Termin fehlte. Gestern kündigte die Regierung die Wahlen für den 6. Dezember 2015 an und prompt wurde dies als Sieg und Folge des Hungerstreiks verkündet. Eine Lüge.

Statistic: Venezuela: Do you feel safe walking alone at night outside? | Statista

Jetzt, so die Opposition, können sie endlich mit dem Wahlkampf loslegen, ein Wahlkampf der bei der Präsidentschaftswahl 2013 lediglich aus Hasstiraden gegen den Chavismus bestand, ein eigenes Wahlprogramm und Inhalte: Fehlanzeige. Es bahnt sich eine erneute Schmutzkampagne an und selbst wenn viele Venezolaner Maduro nicht wollen, die Alternativen sind – bislang – noch schlimmer.

Mindestens genauso erbärmlich wie das Gebaren der Opposition ist die tendenziöse Berichterstattung so mancher Medien weltweit. Maduro wird ständig verunglimpft, López bejubelt und die demokratischen Spielregeln unterminiert. Es scheint dass Demokratie nur dann gut ist, wenn das Wahlergebnis die eigene politische Couleur wiederspiegelt, alle Anderen sind schnell böse Populisten. Zum Glück ist Lateinamerika lange nicht mehr Hinterhof, sondern eine Region mit stetem Wachstum und hervorragenden Perspektiven.

So lange ich nicht von Lilian Tintori bezahlt werde – und dazu wird es nie kommen – werde ich respektvoll und ausgewogen berichten. Kritisch aber seriös, journalistische Söldner sind mir zuwider.