Keine Schönheit ohne Gefahr

Inzwischen verunsichert es mich, wenn jemand von mir die ‘deutsche Sichtweise’ auf Etwas einfordert. Hauptsächlich weil meine Sichtweise nach wie vor eine abseitig-schwäbische ist. Ich war nie stolz darauf Deutscher zu sein oder in Stuttgart aufgewachsen zu sein. Seit ich in der Hauptstadt aller Provinzler lebe (Berlin) ist mir Stuttgart aber immer näher. Gefährlich nah.

Gefährlich, weil ich dort gelernt habe, skeptisch zu sein. Nicht ‘stolz’, weil ich gewisse Altlasten mitschleppe und diese mir dieses plumpe Nationalgefühl verwässern. Wenn man mit Normahl, D.A.F. oder der Faszination für Blixa aufwächst, dann pisst man auf eine GroKo, verprügelt (im Geiste) Mütter aus dem Prenzlauer Berg und die Berliner Parks sind einfach nur Müllhalden. Was ist also bitte diese ‘deutsche Sicht’?

Die Berliner Republik ist Neuland und schlichtweg fake, sozusagen das deutsche Griechenland und als BRDler von vor 1989 fühle ich mich hier gefährlich nah an Russland – das ist Alles. Für mich ist der Bundesadler auch einfach nur Punk und die Revolution stammt eher aus Tübingen als aus Kreuzberg. Übrigens, die ‘Anführungszeichen’ schreibe ich so, weil ich es einfach schöner finde. Und ich werde mich nicht damit abfinden, dass diese dumpfen YouTube-Tussen unsere Zukunft sein sollen – passiert das wirklich? Machen all diese Sätze Sinn? Wohl kaum. Keine Schönheit ohne Gefahr.