Epilog

Prenzlauer Berg, gegen 16 Uhr. Ein Nachspiel.

Ich gehe gerne in dieses Späti, es ist irgendwie der einzige Türke in 300 Metern Umkreis und da ist die Einsamkeit nicht so gross. Bei der Post bedienen drei Beamtinnen und genauso ist der Service, aber das ist eine andere Geschichte, dazu später. Natürlich klingeln die Paketboten nicht und allen ist es egal, aber heute war ich zuhause da krank. Seltsam, kein klingeln. Dafür Zettel.

Der Späti-Besitzer handelt die Paketflut effizient, ein Held. Retouren, Zalando, Zalando und Kinderwagengeschiebe. Mein zweiter Paket war nicht auffindbar, aber ich wartete entspannt. Nicht so ein eigentlich cooler Typ, der knallte mit der Faust auf die Theke und fluchte. Er war mit der orchestrierten, meisterhaften Performance nicht zufrieden. Wartezeit unter fünf Minuten. Sie gingen sogar aufeinander los, ich ging dazwischen. “Leute, es ist nur ein Paket”. Sogar der Kampfhund kam unmotiviert aus dem Lager. Kotti-Feeling im Kinderparadies…

Prolog

Prenzlauer Berg, gegen 15 Uhr. Grippegeschwächt brachte ich die Pflege meiner dementen Mutter zu Ende. Frühstück, duschen, Mittagessen, Haushalt … und das Ganze krank. Und da die Pakete (natürlich) nicht geliefert wurden nahm ich den Benachrichtigungszettel, fand meinen Perso nicht – also durfte der Führerschein raus … 100 Meter an die Ecke, Prenzlauer Allee 39. Die Google-Reviews sprechen für sich, 1,8 im Schnitt …

“An atmosphere of refurbished late term Soviet Planning Office.”

Liebe ich! Und so wahr! Ich warte 15 Minuten, übergebe meinen Abholzettel, prompter Spruch: “Wenn derrr Dopllname nicht auf derrrr Packung steht kann ich das nicht überrrrgeben!”. Leistungsunwille als Axiom.

Der Sender hatte natürlich nie sich für eine Schreibweise entscheiden müssen, dies einzufordern ist nicht legal. Mein Name ist ein doppelter, mein Ausweis gültig, den Abholzettel in der Hand.

“Derrrr Name ist nicht richtig.” Ich überlege zu gehen und den Rückversand zuzulassen, aber es ist ein eBay-Kauf und nicht ein internationales Multiunternehmen, ein privater Verkäufer und ich. Dazwischen der geballte Hass und Unwille.

“Mein Ausweis, meine Ware, mein Benachrichtigungszettel!”

“Njet!”

Once a week they are on strike and not open. If by chance they do open …. you will wait 20-30 minutes on average and then they tell you the package that their website shows as being delivered to the Post Office is not there. (because they were on strike) Waiting line can reach Alexanderplatz at times.

Ich spreche mit der Vorgesetzten, das dachte ich mir rotzte die Endsechzigerin zurück, mein Paket ein Meter entfernt. Die Kilometerlange Schlange wurde nervös, der Ausländer (ja, das bin ich in Sowjetberg) nimmt sich ja Sachen heraus! Ich lasse es weiter laufen, denn Willkür nervt mich, aber Ineffizienz als Exilschwabe bringt mich auf die Palme!

“Gehen Sie zur Seite oder ich rufe die Polizei!”

Da sind wir, auf dem Gipfel der Willkür. Innerlich lachend sage ich: “Na machen Sie!” Mein Paket entführt von der Post!

“Wir sind nicht die Post, wir sind die Postbank! Wir sind nicht DHL!”

“Warum haben Sie dann mein Paket?”

Ich rufe die Hotline an, mitleidig versteht die Frau meine Lage im Gulag: “Wir können es Ihnen wieder nach Hause liefern.”

“Aber ich bin stehe vor meinem Paket!”

“Da kann ich nicht machen, es wäre Freitag bei Ihnen.”

Keiner ist sich bewußt, dass in der Verpackung nur ein alters Telefon drin ist, ockerfarbig.

Ich warte auf die Polizei die nie kommt… mein entführtes Paket vor mir. Ich filme die Filiale ab, mein Paket wird abgeholt werden und zu mir gebracht. Ich laufe los, nächste Station Späti

Unfriendly staff unable to answer a simple question

Ende?