Der gemeinsame Nenner Deutschlands und Spaniens oder Italiens: unwürdige Pflegeheime, erniedrigende Betreuung und menschenunwürdige Massenhaltung.

Wenn man das Pech hat Altenheime zu kennen und wie alte Menschen dort erniedrigt werden, wie lachhaft unterirdisch das Essen und das sogenannte aktivierende Programm ist – der wünscht sich einen schnellen Tod. Corona befreit viele Menschen aus dieser Notlage, viele Verwandten rennen tränengetränkt den Medien die Mikrofone ein, wissen aber genau, dass sie ungern am Wochenende zur Oma hingehen, mit Ekel und Mitleid im Gesicht, liefern alte Pralinen ab und teure Blumen, dann rennen sie hurtig davon. Nicht nur die Massenmenschenhaltung ist unwürdig, auch der Mensch zegit keine Größe. Einer meiner ersten Artikel als Journalist hatte die Zustände in einem Altenheim in Schwaben zum Inhalt: die Zustände damals genauso wie heute. Tiefe Traurigkeit, weinende Alte, verlassene Menschen. Wäre ich im Heim eingekerkert würde ich die Challenge mitmachen und alle Geländer ablecken, Hauptsache ein schneller Vorhang…

Der Trost: alle landen dort. Weshalb wir als Gesellschaft nicht daran denken diesen Missstand zu verbessern ist mir ein Rätsel.

COVID-19 killt im Altersheim und das ist für viele Menschen eine Erlösung: nicht weil sie eine Last sind, nicht weil das Leben mit 80 nicht lebenswert ist. Weil es eine Befreiung aus einer perfiden Situation ist.

Im Dezember hat mir eine elfjährige Ärztin dazu geraten, meine 81jährige Mutter in ein Heim einzuweisen, ihre Demenz mache es nötig. Ich habe es natürlich nicht getan. In der vermeintlichen Reha nahm meine Mutter sechs Kilo ab, bekam ein Norovirus und die Reha-Maßnahmen waren ein Witz. Heute sitzt sie neben mir und lacht, singt und genießt die leckersten Mahlzeiten, den Capuccino und ihre gewohnte Umgebung. „Eine Heimunterbringung ist angezeigt.“ Nein danke, sie möchte weiter leben.

Wäre die Lage so ernst, dass sie dort untergebracht worden wäre würde ich sie persönlich zum lecken ans Geländer bringen. Unser Sozialstaat versagt, klar gibt es Ausnahmen, aber der mangelnde Respekt vor dem Alter, die widerlichen Mahlzeiten oder die unfähige Betreuung – beim erschaffen einer qualitativen Unterbringung haben wir versagt. Die Alten sind der Gesellschaft eine Last.

Wir haben versagt. Und wir wissen das.